• Stadtlicher Espresso in der Schwarzwaldcity

    Ebels FeinkostEspressobar, Schwarzwaldcity

    30° im Schatten, 80% Luftfeuchte. Ich schließe meine Augen und höre das Plätschern von Wasser, die Unterhaltungen in allen Sprachen dieser Welt, den Verkehr, das Leben auf der Straße. Ich stelle mir vor, ich sitze am Chao Phraya in Bangkok. Den Schweiß auf der Haut, rieche ich die Düfte exotischer Gewürze und entspanne mit einer Flasche Brahma an der Uferpromenade.

    Die Realität sieht anders aus: Ich sitze in Freiburg im "Aspekt" und höre mir seit über 30 Minuten das meditative, gebeetsmühlenartige „Mama“-Geschreie eines Kindes an. Ich trinke ein Bier. Hinter mir eine Horde besoffener Touristen, neben mir ein Pärchen von Anderswo. Unter mir mein Hund und in der Nase den Duft der benachbarten Dönerbude. So weit ist Urlaub und Arbeit gar nicht von einander entfernt. Das Glück könnte so nahe liegen, liegt es aber nicht.

    Bangkok ist Bangkok und Arbeit ist Arbeit, und in dieser Funktion war ich heute in der Espressobar in der Schwarzwaldcity. Da ich eh noch das ein und andere im örtlichen "Geiz ist Geil" zu erledigen hatte, lag der Sprung auf einen Espresso ziemlich nah. Vorbei am gesunden Salat, hin zum Alfredo. Der genaue Name der Bar hat sich mir leider nicht so ganz erschlossen, daher für mich einfach nur Alfredo.

    By the way, „Mama-Schrei“ rennt grade weg und Mama rennt hinterher, der „Mama“-Schrei wird zu „AAAAA“, und ist noch weniger zu ertragen. Ich warte auf den Wilhelm-Schrei, nein, nicht wirklich, aber ein wenig Ruhe wäre auch nicht übel.

    Zurück zum Thema, Frau Alfredo überzeugt durch ihren südländischen Charme, kurz und knapp bestelle ich meinen Espresso. Das Kaffeemehl liegt vorgemahlen im Doser. Wie lang, weiß ich nicht. Schlangen haben sich noch keine gebildet. Das Kaffeemehl wird mit lockerer Hand getampert und der Siebträger eingespannt.

    By the way, aus „AAAA“ und „Mama“ wurde jetzt „Mama-Papa“ und Mama läuft auf und ab. Starke Nerven muss man als Neufreiburger schon haben.

    Zurück zum Thema, Leerbezug scheint in Italien unbekannt zu sein und so stürzt eine Wolke aus Espressodampf und Kaffee in meine Tasse. Prompt steht der kleine Schwarze auf der Theke und ich bediene mich am Zucker. Der Crema war es wohl heute zu heiß und sie entschied sich im Siebträger zu verweilen. Stattdessen hat sie als Vertretung die Kollegin noch mehr Wasser geschickt. Ich schätze mal, es sind 35 bis 50 ml in der Tasse. Der Zucker rauscht nach unten wie eine Wespe in einer Tasse Apfelsaft mit Spüli. Nun gut, es ist heiß, es ist feucht, ich bin müde und will Feierabend, also runter damit.
    Der Espresso ist wie erwartet ein wenig dünn und bitter, mit wenig Aroma. Nur es wundert mich nicht. Man bekommt hier nicht den besten Espresso in Freiburg, aber auch nicht den schlechtesten. Frau Alfredo reißt mit ihrem Charme die Bewertung nach oben. Für einen schnellen Schwarzen zwischendurch nicht verkehrt, aber in der näheren Umgebung gibt es Besseres, aber auch sehr viel Schlechteres. Am Kaffee wird man wohl nichts ändern können, am Vormahlen schon, auch am Leerbezug.

    Meine Gedanken fokusieren sich wieder auf mein Bier, „Mama-Schrei“ ist weg, Asi-Touri auch, endlich Feierabend!

    Mein Fazit, OK für den kleinen Schwarzen beim Hektik-Shopping am Samstag, sonst ausweichen in die nähere Umgebung.

  • Espresso Weltreise

    Ebels FeinkostEbels Feinkost, Markthalle

    Endlich lacht mal wieder die Sonne über Freiburg. Der Schnee schmilzt dahin und meine Lebensfreude erwacht. Welch ein überaus unbeschwerter Tag heute! Ich fühle mich von allen Lasten erleichtert. Vor allem, da ich heute solo aus dem Haus durfte, also ohne stinkenden Vierbeiner.
    In unserer glorreichen Vergangenheit wurden Missetätern Stahlkugeln ans Bein gebunden und dann ging es abschließend in den Kerker. Unsere Zeit hat da viel subtilere Methoden entwickelt. Um dem häuslichen Band der festen Beziehung nicht zu entschlüpfen, werden den Männern stinkende, knurrende, 35 kg schwere Fellkugeln ans Bein gebunden und die werten Herren der Schöpfung bis Sonnenuntergang ins Büro verbannt. So ist Frau sich der ewigen treue sicher und Mann zerrt sich mit Kugel und Gebelle durch die Stadt.

    So erleichtert, angesichts des Wegfalls der Fellkugel und des zugewonnenen Vertrauens führt mich mein Weg heute in die Markthalle. Vorbei an Italien, Baden, Japan und China führt mich mein Weg zu Ebels Feinkost. Angesichts der hier aufgefahrenen Maschinenpower verspricht der Laden einen vorzüglichen Espresso. Kein Dosierer soll das Aroma des Kaffeemehls verpulvern, kein falsches andrücken den Espresso versauen. Ob das Ergebnis sich auch in der Tasse wieder findet werde ich später erkunden, erst muss mal was in den Magen. Nichts haut einem mittags besser ins Koma als eine leckere Fejoada beim Brasilianer. Nach diesem doch recht reichhaltigen, aber super leckerem Mittagessen geht’s zurück zu Ebel.

    Ich bestelle einen Espresso. Die nette Dame setzt sich auch sofort in Bewegung und mahlt das Kaffeemehl in den Siebträger. Zur Verfügung stehen 2 Direktmahler mit Timer. Nach einer kurzen Weile ist die voreingestellte Menge im Siebträger. Getampert wird mit einem „Anfängertamper“. Keine schlechte Idee, so ist sichergestellt, dass immer gleich getampert wird. Nur hätte man erklären müssen, dass man bis zum „Klick“ tampern muss. So landet das Kaffeemehl unterverdichtet im Siebträger. Der Kaffee rauscht gastrotypisch in etwa 10 bis 15 Sekunden in der Tasse. Im nu stand dann auch mein Espresso vor mir, in der Tasse geschätzte 30 bis 35 ml, leider etwas zu viel.
    Der Geschmack blieb leider weit hinter den Erwartungen zurück, dünn und bitter. Zum ersten Mal hab ich mir an einem Espresso die Zunge verbrannt. Leider nicht der ganz weite Wurf, aber mit etwas Übung und mehr Know How lässt sich vielleicht noch was rausholen. Die Technik sollte dem keine Hürden in den Weg legen. Insgesamt ein für Freiburg typischer Gastroespresso, aber eben leider keine Feinkost.

    Zum Glück habe ich ja noch meine eigene Maschine. Getreu dem Motto „Eigener Herd ist Goldes wert“.

  • O Sole Bio

    BioskBIOSK, Schwarzwaldstrasse 80a

    Die Sonne geht auf über Freiburg. Nicht nur am Himmel - die Temperaturen nähern sich langsam wieder meinem grünen Wohlfühlbereich – auch im Büro kitzeln die Strahlen wieder an meiner Nase. Die Zeiten im Kellerasyl sind vorbei, der Umbau in unserer Etage abgeschlossen, es geht wieder nach oben, der Sonne entgegen.

    Fleißig wie eine Biene im Frühsommer packe ich meine Sachen, schiebe meinen Schreibtisch an seinen angestammten, lichtdurchfluteten Platz und genieße die Stille in meinem neuen, alten Büro. Ich sammele meine Pflanzen im Dschungelasyl ein und bereite mich auf den letzten Akt meiner innenarchtitektonischen Inspirationsexplosion vor. Bepackt mit Grünzeug kämpfe ich mich im Treppenhaus nach oben.
    Ich erahne schlimmstes. Vor meiner Bürotür steht ein Gebirge aus diversen Baumaschinen, aus meinem Büro dringen viel zu bekannte Geräusche. Ich öffne die Tür und trete ein, eine Wolke aus Staub wirft mich zurück. Mein frisch renoviertes, lichtdurchflutetes Büro hat sich in einem Sandsturm von einer Oase in eine Wüste verwandelt. Die Möbel wieder verrückt, arbeiten sich diverse Handwerker mit schwerstem Bohrgerät in meine Wand. Die Heizkörper waren noch nicht montiert.

    Ich würde am liebsten die weiße Fahne hissen, aber erstens finde ich sie nicht und zweitens wäre sie in Sekunden grau. Ich kapituliere ohne weiße Flagge und gehe in die Mittagspause. Mit meinem gesamten Inventar auf dem Flur ist an Arbeiten eh nicht zu denken. Ich entere mein Fahrrad und nehme Kurs nach Hause – Gassi gehen.

    Mein Fell zu Hause empfängt mich – naja, Empfang wäre übertrieben – Aufstehen wäre wohl auch zu viel Erwartet. Zwei Schwanzwedler sind drin, aber das war’s auch schon. Ich versuche erst gar nicht zu überzeugen, ich zerre meinen Vierbeiner einfach nach draußen, keine Diskussionen, ich will zum BIOSK. Eine heimtückische Guerilla-Werbung in einem einschlägigen Forum hat mich auf den umgebauten Kiosk aufmerksam gemacht. Nicht genug, dass ich einen halbuntermotivierten Hund hinter mir her schleifen muss, die Krähen bombardieren mich auf meinem Weg mit Eicheln. Im realen Leben wäre die Trefferquote gleich null, bei meinem Tempo aber ist jeder Abwurf ein Treffer. Ohne größere Verluste auf dem Weg erreiche ich das ZO. Mein Weg führt mich daran vorbei. Hinter dem ZO dann, an der Ecke Schwarzwaldstraße – Möslestraße, stehe ich davor. BIOSK

    Ich bestelle einen Espresso und werde von einem Schokomuffin verführt. Der Kaffee wird direkt von einem Direktmahler in den Siebträger gemahlen, ordentlich getampert und direkt in die Maschine eingespannt. Die Ausstattung ist Top. Der Kaffee auf dem ersten Blick auch. Die Menge – erfreulich wenig – ziemlich genau eine Punktlandung, in etwa die erhofften 25ml. Die Crema – auch erfreulich – nussig braun und etwas dünn. Allerdings sind 100% Arabica in der Mühle, also absolut zu tolerieren. Es wird ein Fair Trade Kaffee vermahlen, Gayo-Mountain. Der Espresso glänzt mit einer intensiven-aromatischen Duftnote. Der erste Schluck überzeugt dann auch. Nicht bitter, nicht sauer, intensiv, vollmundig, schokoladig und ein volles Bouquet an Aromen. Starker Auftritt, starker Abgang. Auf das Glas Wasser zum Abschluss kann man getrost verzichten.
    Der Schokomuffin ist genial, vermutlich hausgemacht. Lecker schokoladig, aber nicht zu süß. Unterm Strich sehr zu empfehlen. Der Kaffee ist Top! Einzig die Umgebung ist suboptimal, der laufende Verkehr auf der Schwarzwaldstraße schränkt den Genuss ein wenig ein. Aber was ist schon perfekt. Auf meiner persönlichen Top10 ganz klar die Nummer 2 in Freiburg.

    Die Sonne geht somit nicht nur im Stühlinger auf, endlich auch in der Wiehre, o sole mio, alles Bio und super Espresso! Weiter so!

  • Noch mehr Espresso unter (Ober-) Linden

    Caffe ClassicoCaffe Classico, Oberlinden 6

    Urlaub ist etwas Schönes. Viele Leute verbringen ihren Urlaub in fernen Ländern, um morgens um 8 im Hotel von Handwerkern geweckt zu werden und den restlichen Tag in einem baustellenähnlichen Komplex bei einem Höllenlärm, schlechten Kaffee und unglaublicher Hitze zu verbringen. Das alles habe ich diesen Sommer ganz gratis bekommen. Die Baustelle in unserem Haus ist zu einem lebenden Organismus geworden, wabernd, quirlig, lebendig, vielfältig, interkulturell und mit Verdauungsstörung. Ich muss hier raus.

    Eine Woche Urlaub tut gut. Nicht wie viele in ferne Länder schweifen. Nein. Ich bleibe zu Hause, politisch korrekt und umweltfreundlich auf meinem Balkon. Schlafen während andere schon Arbeiten, das ist schön. Ebensolches muss sich der Aufsitzmähtraktorfahrer auch gedacht haben und beglückt mich an meinem ersten Urlaubstag um 7:30 Uhr mit einem Höllenlärm. So ist das halt mit der Schadenfreude.
    8 Uhr, ich kapituliere und katapultiere meinen bleiernen Hintern im Zeitlupentempo aus dem Bett. Erst mal Kaffee, dann Toast, dann auf den Balkon. Der Typ hat ausgemäht und ich entspanne bei coffee, toast and honey.
    Ein dröhnendes Gewummere. 9 Uhr. Der Milchschaum auf meinem Cappuccino stürzt in sich zusammen. Pünktlich zum Urlaubsbeginn wird gegenüber das Haus renoviert. Ich hätte auch in Urlaub fliegen können. Nur der Kaffee ist hier besser. Der Balkon bebt.

    Im Lärmaushalten bin ich schon geübt. Ich ertrage den Lärm mit tiefer innerer Ruhe und flüchte in die Innenstadt. Die nervöse Unruhe und Hektik kommt im Vergleich zur heimischen Umwelt einer blauen Oase in der Wüste gleich. Ich entspanne und shoppe. Beladen mit 250g Espresso und einem Mordshunger entscheide ich mich wieder für pro Afghanistan.
    Heute gibt’s, keine Ahnung was es gibt, aber es ist lecker, heißt irgendwas mit P oder so und ist die kugelige Variante des Kartoffelpuffers. Zusammen mit Auberginengemüse und eine Portion gut scharf sind die kugeligen Dinger ein leckeres Mittagessen. Ein echter Geheimtipp dieser Afghane!

    Mein Bauch ähnelt dem Kartoffelpuffer, kugelig eben, mein Algemeinbefinden auch. Im suppenkomaartigen Zustand kugele ich nach Hause. Ich gehe aber nicht direkt nach Hause, ziehe stattdessen über „Los!“ und kassiere einen Espresso ein. Cafe Classico heißt der Ort der Wahl, der angenehmerweise auch direkt auf dem Weg liegt und entsprechend schön auch in Oberlinden gelegen ist.
    Die Wahl fällt leicht, die Karte ignorierend bestelle ich gezielt „einen Espresso“!

    In Windeseile steht auch die Tasse vor mir, 25 Sekunden können das schon mal nicht gewesen sein. Die Crema ist hellbraun und dünn, die Tasse warm, der Kaffee heiß. Ich schätze mal, dass etwa 25 bis 30 ml in der Tasse waren. Der Kaffee hat trotzdem ein Überraschungsmoment, ein rassig kräftiger italienischer Espresso mit einer ganz leicht bitteren Note, nicht schlecht finde ich. Ganz überzeugen kann er aber leider nicht, nach einem starken Auftritt ist der Abgang eher schwach. Wie viele der 10 Sekunden Espressos fehlt es meistens am runden Gesamtbild. Man könnte da bestimmt noch ein wenig mehr rauskitzeln, aber das Eis will auch verkauft werden. Trotzdem unterm Strich ein guter Espresso. Meiner Meinung nach der beste im Bereich Oberlinden. Ein echter Italiener eben.

    Spätestens jetzt muss ich anerkennen, dass die Erde keine Scheibe sondern mein Bauch eine Kugel ist. Der Espresso war das berühmte Pfefferminzblättchen. Mit einem italo-afghanischen Speise- und Getränkemix trete ich die Heimreise an.

    Auch Entfernungen können relativ sein, vor allem mit vollem Magen!

  • No Espresso today

    Strass CaffeStrass Caffe, Herrenstraße 44

    Die Sonne lacht vom Himmel über Freiburg, ein überaus strahlendes Lachen. Mittlerweile bin ich mir aber nicht mehr ganz so sicher, ob Sie auf mich hernieder oder nur höhnisch über mich lacht. Die Anzeichen verdichten sich, dass Sie mir heute Morgen mit ihrem strahlenden Lachen arglistig aufgelauert hat, um sich jetzt ausgiebig bei 25° über mich lustig zu machen.

    Dabei begann alles überaus grade, jedenfalls weniger schräg als sich mein Tag zu entwickeln droht. Gut gelaunt fuhr ich mit meinem Kuchen Richtung Arbeit. Heute mal besonders gut gelaunt, weil, ich habe Urlaub!
    Gibt es nichts schöneres, als um 10 Uhr wieder aus dem Büro zu entschwinden und seine Kollegen in all ihrer Arbeit hinter sich zurückzulassen? Gut, ich bin richtig gemein heute, heute ist aber auch gemein zu mir, also Gleichstand.

    Zum Mittagessen verabrede ich mich mit Freunden beim Balinesen. Wir sind da, aber der Herr Balinese hat Urlaub. Gut, auch dafür ist Bali bekannt. Wir wollen aber keinen Urlaub machen – obwohl ich grade Urlaub habe – uns knurrt vielmehr kollektiv der Magen. Zum Chinesen zu gehen ist ja politisch grade nicht so ganz korrekt, also solidarisieren wir uns mit den Afghanen. Gleich als Nachbar begrüßt, bekommen wir ein absolut köstliches und überaus preiswertes Mittagsmahl serviert. Schade dass sich der Herr Afghane so gut in Freiburg versteckt hat. Ein echter Geheimtipp am Siegesdenkmal, aber mehr verrate ich nicht. Das Lamm mit Reis ist eins der besten Gerichte, welche ich in Freiburg gegessen habe!

    Auf dem Rückweg – heute mal nicht mit wehenden Fahnen ins Büro, sondern mit vollem Bauch nach Hause – radel ich so vor mich hin, als mich wieder dieses nervöse Zucken in den Fingern überfällt. Nicht dieses weibliche Zucken bei Telefonentzug und auch nicht das jugendliche Zucken bei SMS-Entzug, auch das männliche Zucken bei Fernbedienungsentzug kommt meinem Zucken nicht ganz gleich. Ein Zucken, verbunden mit einer kreisenden Bewegung des Handgelenks und einer Beugung gegen Kopf zum Ende hin. Mein Körper schreit nach Kaffee, Koffein, egal, Hauptsache kein kalter Entzug!.
    Seit Wochen lacht mich schon diese eine Faema mit ihrem kühlen-neonartigen Scharm an. Im Haus zur Meise pocht dieses Herz in einem Cafe, welches neben Kaffee auch Strassschmuck verkauft. Welch passender Name, Strass-Cafe. Genau dahin will ich heute und siehe da, beim gefühlten 99. Anlauf ist auch geöffnet.

    Ein Stehtisch im Freien – damit die Sonne noch mehr über mich zu lachen hat – findet mein Interesse. Ich stelle mein Fahrrad ab und … und …. und …
    Ich stehe mit geöffnetem Mund da, während der Inhaber mit eindeutiger Geste und zweifelsfreier Ausdrucksweise mir klar macht, ich solle doch mein Fahrrad hier wegschaffen. Ich hole Luft und versuche zu erklären, dass ich doch hier nur einen Kaffee trinken wolle und mein Fahrrad neben mir doch nicht wirklich stört, dazu kommt es aber nicht mehr. Bevor ich noch meinen Satz anfangen kann, wird seine Forderung vehement wiederholt. Mit fuchtelnder Geste werde ich des Platzes verwiesen. Nun gut, ich verkneife mir meine Bestellung, verlasse den Tisch, schnappe mein Fahrrad und radel wieder nach Hause.

    Zu Hause, wo mein frisch gerösteter Londoner Sqaremile Espresso nicht auf mich wartet, aber die Sonne lacht ja! Stattdessen lade ich meine Mühle mit alt bewehrtem Berner Adrianos Hausröstung und genehmige mir einen Espresso auf dem Balkon. Espresso mein – Glück allein, hier jagt mich keiner weg.

    Schade, ich halte die Kombination aus Maschine, Mühle und Material rundherum für überaus Geschmackvoll und Interessant. Freundlichkeit ist für mich aber ein noch viel höheres Gut. Ich kaufe schließlich nicht einen Sturzkaffee, sondern möchte im Ambiente meinen Espresso genießen, dafür werden Faemas gebaut und Bohnen liebevoll geröstet.

    Schreibts und genießt.

    Jetzt lache ich! Zuletzt !!!

  • Tattoo, Dauerwelle und einen Espresso

    JayceeJaycee, Klarastraße

    Kurz vor Zwölf, das Thermometer zeigt erfrischende 31° an, drinnen wir draußen. Bei einer gefühlten Luftfeuchte von 110% sitze ich in meinem Büro in einer Wolke aus Staub. Die Bohrmaschine kreischt mit dem Trennschleifer um die Wette und um die Ecke zerlegen ein paar Handwerker das was früher mal eine Toilette war in sämtliche Einzelteile. Müsste ich nicht in dieser Staubwolke sitzen, ich würde nach Herzenslust auch ein paar Wände zerlegen. Aber in der Ruhe liegt die Kraft und es ist eh an der Zeit sich buchstäblich aus dem Staub zu machen. 

    Aus gut unterrichteten Kreisen habe ich die konspirative Nachricht bekommen, dass im Stühlinger ein neues Cafe eröffnet haben soll. Ein kurzer Abstecher in meine alte Heimat kann nicht schaden. Ich schnappe die Leine und klinke das Stück Fell in meinem Büro ein. Es beginnt das alltägliche Geziehe und Gemurre, aber auch heute nützt es nichts, wir müssen in die Klarastraße. Auf dem Weg dorthin bunkere ich noch Vorräte fürs Mittagessen beim Bäcker. Ein Morzarella-Pizza-Wasauchimmer Teilchen fängt meine Blicke und lässt sie nicht mehr los. Ich bestelle und bezahle. Unterwegs muss ich feststellen, dass sich das Ding äußerst schlecht zum mobilen Essen eignet. Vorsichtig jongliere ich die instabile Masse Richtung Mund als Baba unbedingt mal am Grashalm schnüffeln muss. Den Morzarella an der Oberlippe, die Tomate knapp am Ohr vorbei tropf die Soße in schöner Regelmäßigkeit an meiner Hose entlang. Starke Nerven sind heute wirklich von Vorteil.

     Zum Glück lasst das besagte Cafe auch nicht mehr all zu lange auf sich warten. Nachdem ich geschätzte 3 Mal dran vorbei gelaufen bin, habe ich es endlich entdeckt. Das Neonschild noch in Schutzfolie gewickelt, lädt mich ein Mix aus 50’er Nostalgie und schicker Espressomaschine zum Eintreten ein. Der Barista hinter der Theke heißt mich herzlich willkommen. Ich setze mich an die Bar und bestelle einen Espresso. Entgegen der üblichen 3 Zentner gemahlenen Kaffee im Vorratsbehälter der Mühle, wird hier alles frisch in den Siebträger gemahlen. Danach wird getampert, andere würden diese Szene eher mit einem Fitnessstudio vergleichen, aber hier wird Wert auf Präzision gelegt. Während wir uns über die Neueröffnung unterhalten, wird die Tasse mit einem nach allen Regeln der Kunst durchgeführten Leerbezug ordentlich angewärmt, bevor die Tasse mit fast geeichten 25 ml in exakten 25 Sekunden gefüllt ist. Hier ist wahrlich ein Virtuose am Werk. Eigentlich will ich jetzt nicht mehr reden, sondern trinken. Aber es fällt schwer sich nicht von dem aufgeschlossenen Barista – wie ich später erfahren habe ist sein Name Markus – bei einem Schwätzchen von seinem Kaffee ablenken zu lassen. Ungeduldig schaufele ich den Zucker in den Espresso und setze an.

     Mein Gaumen wird getroffen von einer Geschmacksintensität die einem Sommergewitter gleich kommt.

     Das ist Poesie in der Tasse. So soll ein Espresso sein. Könnte man den Duden schmecken, so würde unter Espresso eine Tasse von diesem Cafe stehen. Beschreiben lässt sich das nur mit einem alten arabischen Sprichwort:

     „Der Kaffee muss heiß sein wie die Küsse eines Mädchens
    süß wie die Nächte in ihren Armen
    und schwarz wie die Flüche der Mutter, wenn sie es erfährt.“

     Wieder zu mir kommend hake ich nach. Sulawesi von Langen heißt die hier hochkonzentriert ausgeschänkte Geschmacksbombe. Perfekte Crema, kräftiger aber milder, schokoladiger Geschmack. Bis jetzt das Beste was ich in Freiburg in der Tasse hatte! Absolutes Suchpotential hier. Ambiente und Kaffe ergänzen sich perfekt und wer möchte kann sich gleich im Nebenraum die Haare schneiden oder sich einen Sulawesi auf den Oberarm tätowieren lassen.

    Nein, hier will ich nicht mehr weg, ich bleibe einfach hier …

  • Espresso Gaudi

    Kunstkaffee KunstKaffee, Fischerau 20

    Gaudi hatte es gut, der musste als Architekt nur in seiner Baustelle arbeiten, ich muss zur Zeit in einer Baustelle arbeiten. Langsam verschwimmt das Gewummere des Bohrhammers mit meinem inneren Bild eines leckeren Espresso zu einer schaumigen Sturmflut. Es ist Zeit, Mittagspause!
    Nicht die Uhr verrät mir dies, nein, die innerlichen Sturmfluten schmelzen dahin zu einer nussigbraunen Crema – die Bauarbeiter haben Mittagspause! Ich schnappe mir das espressofarbene Stück Fell in meinem Büro und schleife es – dem mürrischen Gebrummele zum Trotze – nach Draußen. Auch wenn das liebe Vieh angesichts annähernd südländischer Temperaturen überhaupt keinen Anstalten macht mit mir auf Tour zu gehen, heute geht’s in ein Kunstkaffee!

    Allein der Weg ist beschwerlich ohne das richtige im Magen. Ich stehe und überlege, überlege und stehe, mein Fell schnarcht in der Sonne. So dasitzend, überlegend beobachte ich zwei Teenagerinnen.

    Gaudi Teil 1 – Mein Kampf mit dem Karton!
    Schnell schiebe ich mein Hungergefühl beseite und beschäftige mich mit dem Gedanken, wer ist wohl geistig überlegener, ein Hund oder ein Kind. Hmmm …
    Mit gezieltem Griff wird der Pizzakarton in den Mülleimer geschoben, aber halt, hier haben sich die Stadtväter einen besonderen Streich einfallen lassen! Die Öffnung ist etwas zu klein für einen Karton. Nun, für einen Teenager von heute ist auch dies kein Problem, eifrig werden alle 4 Seiten des quadratischen Kartons ausprobiert, keine passt. Ich denke nicht, dass hier jemand auf Fertigungstoleranzen spekuliert hat. Als auch dies nichts half, wurden alle 4 Diagonalen ausprobiert, aha, Geometrie 6, setzen! Der Schande bewusst, wurde schnell der Karton genommen und von dannen gezogen.
    Zum Thema Stock, mein Hund rennt zwei mal gegen den Türrahmen, dann wird der Stock zurechtgedreht. Man hätte den Karton auch falten können.
    Endstand heute: Hund 1 : 0 Teenager

    Gaudi Teil 2 – Espresso mit Kampf
    Naheliegender Weise kämpfe ich mich nach der Begegnung mit dem Pizzakarton mit einem Stück Pizza Richtung Kunstkaffee.
    Ich betrete die Tür und stehe da, stehe mal einfach nur so da, alleine inmitten von Kunst. Oder zumindest um mich herum. Mein erster Eindruck ist Weite, Kühle und Einsamkeit. Niemand da!
    Nach kurzer Zeit höre ich Schritte, siehe da, meine persönliche Barrista eilt zu Werke und fertigt in Handarbeit meinen lang ersehnten Espresso.
    Die Handgriffe scheinen noch etwas Ungeschick, aber gut, Meister sind auch noch keine vom Himmel gefallen, nur vom Baugerüst. Leicht getampert bahnt sich das dosierte Kaffeemehl über einen Siebträger zur Maschine. Mit fast Schweizer Präzision tropft der letzte Tropen nach 25 Sekunden in meine Tasse, bis diese randvoll den Weg zu mir an den Tresen findet.
    Etwas verwundert von all der Espressofülle, gönne ich mir den ersten Schluck. Mein erster Eindruck ist leichte Enttäuschung. Der Espresso hält leider nicht ganz, was das Ambiente verspricht. Die Crema ist in Ordnung, aber der Geschmack eher verwässert. Mag an der schieren Menge von Wasser liegen, mag sein, dass nicht ganz ausreichend getampert wurde. Sicherlich ein Ausreißer. Das Kunstkaffee hat das Potential zu wesentlich mehr. Mit ein wenig mehr geübter Handarbeit ist hier demnächst ganz bestimmt ein toller Espresso zu holen. Lassen wir ihr noch ein wenig Zeit zum Üben!

    Vor lauter Kunst und Kaffee hätte ich beinahe die Zeit vergessen. Beladen mit frischen Kaffeebohnen für den Boliden zu Hause marschiere ich tapfer Richtung Arbeit. Eine Fahne frischen Kaffeedufts hinter mir her schleppend. Ach nein, ich schleppe meinen Hund …

  • Espresso U(u)nter-Linden

    Mahlwerkk Mahlwerkk, Oberlinden 4

    Die Sonne brennt mir auf die Haut, …, nein, ausgerechnet heute tut sie es nicht. Nachdem meine gestrige Mittagspause mehr Ähnlichkeit mit einer Dusche hatte, fühle ich mich heute wie im Kühlschrank. Man kann sich nicht über mangelnde Abwechslung beklagen. Ein gutes hatte der Regen, der Schweiß der letzten Tage wurde abgespült und heute kann man mal so richtig durchatmen.

    Wo ich auch gleich beim Stichwort wäre, durchatmen kann man in dem Chaos, welches sich mein Büro schimpft, schon lange nicht mehr. Die Einwegflaschen stapeln sich schon gemeingefährlich Richtung Decke. So geht’s nicht weiter, ich habe Hunger und zu viele Flaschen, also los!

    Einem Packesel gleich kämpfe ich mich Richtung Stadt. Balastiert mit ausreichend Flaschen laufe ich in der Schwarzwaldcity ein und stopfe die Dinger in einen hungrigen Automaten. Die Überraschung folgt zugleich – wer hätte es gedacht- dieser Automat entpuppt sich als große Sparbüchse. Entzückt nehme ich den Ausdruck an mich und löse ihn gleich ein, das gibt bestimmt ein leckeres Mittagessen und noch einen Nachtisch. So mag ich das!

    Mit meinem Chef zusammen geht die Reise weiter. Keiner weiß so recht was er will, also entscheiden wird nichts und gehen stattdessen in die Markthalle. Ich wähle zielsicher das Komamenue im Canoa Brasil, eine Feijoada. Lecker aber heftig. Mit scharfer Soße ein Gedicht für den Magen und ein Tiefschlag für den Arbeitseifer. Allein die feurige Soße hält die Lebensgeister bei Laune. So geht’s aber nicht weiter, dem Koma näher als meinen Vorgängen im Büro muss eine einsame Entscheidung getroffen werden: Koffeein!

    Und das bitte in Reinstform. Gut, zugegeben, in Espresso ist nicht wirklich viel von dem Glücksmacher drin, aber egal, die Menge machts. Ich wähle das Mahlwerkk. Hat erst kürzlich aufgemacht und macht nach außen hin einen extra netten Eindruck. Ich setze mich in Unterlinden also unter Linden, naja, in die unmittelbare Nähe eines Platzes unter Linden und bestelle meinen Espresso. Bevor ich noch das „O“ aussprechen konnte war er auch schon da, jedenfalls gefühlt, prompter Service! Vor mir steht ein optisch sehr ansprechender Espresso. Also, nicht lang schnacken, Kopf in den Nacken, wie man so schön sagt und ran an den Kaffee. Der Zucker beweist, bzw. beweist nichts. Er fällt direkt nach unten durch. Kleiner Punktabzug für die Crema. Sieht gut aus, ist aber dünn und nicht stabil. Na gut, weiter im Kontext, umrühren und rein damit. Auch hier leider nur eine „naja“. Ich will nicht sagen, dass er schlecht ist, auf jeden Fall mal besser wie in den zahlreichen xxxfredo Bars, egal ob Alfred, Sega oder Nintendo. Für die Eliteklasse fehlt aber doch einiges. Wenig unterschiedliche Noten, flacher Abgang, vergleichbar mit einem 10 Sekunden Espresso. Schade. Zeit wäre hier genug für 25 Sekunden und dem Kaffee würde es sicher auch gut tun. In der Mühle ist „Schwarzwälder“. Den hatte ich auch schon zu Hause in meiner Maschine und wurde auch nicht glücklich damit. Ich kann aber unterschreiben, dass hier das Beste aus dem Kaffee rausgeholt worden ist. Obwohl andere Röstungen – meines Erachtens nach bessere Röstungen – im Hause sind, wird ausschließlich „Schwarzwälder“ gemahlen, schade.
    Eine echte Alternative hier sind die Bagles, besonders der Thunfischbagel hat es mir angetan. Das Ambiente stimmt, das Angebot ist gut und vielfältig, der Cappu ordentlich, nur für den Espresso würde ich eine andere Örtlichkeit wählen.

    So gestärkt kann ich wieder sicheren Fußes den Heimweg antreten, im sicheren Glauben ein gutes Gegenmittel gegen das Suppenkoma gefunden zu haben.

  • Berner-presso

    Ich gehe fremd!

    Ja, ich gehe fremd, ich stehe dazu, ich oute mich und finde es auch ganz in Ordnung!

    Der Dienstherr befiehlt und ich folge nach Bern. Nunja, zugegeben, es gibt wirklich schlimmeres im Leben als auf eine Konferenz nach Bern gehen zu müssen. Nette Stadt, nettes Hotel, nette Kollegen, scheußlicher Pausenkaffee!

    Rettung musste her und auch wenn die Mittagspause diesmal nicht in Freiburg war, so war die Mittagspause in Bern doch eine willkommene Abwechslung zum Otto-normal-thermoskannen-filterkaffee in der Pause.

    Aber wohin gehen in einer Stadt, in der man nur den Bahnhof, die Uni und sein Hotel kennt, und selbst das nur flüchtig. Gut dass es eingeschworene und verschworene Kreise im Internet gibt, die einem in den misslichsten Lagen im Leben gerne weiterhelfen. So mit Adressen wohl versorgt erobere ich Bern zu Fuß. Angesichts der vielen Baustellen blieb einem auch nichts anderes übrig.

    Als los geht’s und „id stibäng ga rohre“. Ich habe mir sagen lassen das ist Mattenenglisch – eine Geheimsprache der Berner – und bedeutet durch die Arkaden schlendern. Das ist einfacher als getan, trotz Straße und Hausnummer stolpere ich am empfohlenen Cafe Roma vorbei. Rückwärtsgang rein und zurück. Ich stehe vor der Hausnummer, aber kein Cafe da! Doch siehe da, eine verwegene Treppe führt hinab in die Keller von Bern. Jetzt fällt mir auf, dass tatsächlich alle Keller in der Berner Innenstadt ausgebaut sind. Clevere Leute diese „armen Berner Bergbauern“, wie sie selbst zu scherzen pflegen.

    Ich nehme Platz und bestelle mir einen Espresso. D.h. ich warte erst Mal auf die Bedienung, ihr italienischer Charme entschuldigt aber jede Wartezeit und so harre ich geduldig auf meinen Espresso, der auch wenige Minuten später super heiß auf meinen Tisch geschleudert wird. Jaja, die Italiener sind schon so ein Völkchen. Der Espresso ist wirklich typisch italienisch, kräftig, rassig, heiß und stark, aber nicht so ganz auf meiner Welle. Die Bedienung rettet die Bewertung aber und ich behaupte mal, da komme ich gerne wieder vorbei. Der Preis ist genauso knackig wie die Bedienung, aber, ich gönn’s den armen Berner Bergbauern.

    Auf dem Rückweg leitet mich meine Nase gezielt zu Adrianos, der grade am Kaffeerösten ist. Da kann ich natürlich nicht widersprechen und kaufe erst Mal ein Pfund aus der Röstschale. Danach fällt mir ein, dass ich das gekaufte auch mal probieren könnte. Also, ein Espresso bitte und schwups stand er auch schon da. Ein wenig unaufmerksam kippte ich etwas Zucker in die Tasse und schlürfte. Göttlich! Das war verdammt noch mal das Beste, was ich seit langem in meiner Tasse hatte. Schöne, feste Crema, wunderbar schokoladiger, voller Geschmack. Einfach ein Genuss. Für diesen Espresso würde ich sogar extra von Freiburg nach Bern fahren. Auf meiner Geschmacksskala 5 von 5 Punkten! Absolut empfehlenswert!

    So gestärkt ging’s zurück durch die Arkaden Richtung Uni. Die Mittagspause ist vorbei, aber der Geschmack blieb noch eine ganze Weile erhalten. Bis am Nachmittag auch noch der letzte Rest des göttlichen Aromas vom gemeinen Filterkaffee weggespült wurde.

    Ich will wieder nach Bern!

  • Wilhelm-Moltke Eckespresso

    Wilhelm-Moltke Wilhelm-Moltke, Moltkestraße 42

    Ich sitze im Zug und schwelge in Erinnerungen. Den Sonnenuntergang über dem Markgräflerland vor Augen und den Geschmack meines letzten Espresso auf dem Gaumen rolle ich Richtung Bern. Mein Ohr bestätigt die Nähe zur Schweiz, ein rauchiger Dialekt nimmt überhand im Abteil.

    Es war nicht wirklich eine spektakuläre Mittagspause am Donnerstag. Der Döner schmeckte wie gewohnt, einzig der obligatorische Fleck Joghurtsauce auf dem Hemd blieb diesmal aus. Wider erwarten blieb auch der Regen aus, trotz mächtig grauem Himmel. Den Döner in der einen, meinen Schirm in der anderen Hand schlendere ich zielbewusst Richtung Moltkestraße. Eigentlich gibt es hier nichts Besonderes. Die Häuser erinnern mich ein wenig an meine alte Heimat im Stühlinger. Aber ich habe mein Ziel fest im Auge.

    Gerüchten im Internet zur Folge, soll es an der Ecke Moltkestraße und Wilhelmstraße eine Espressobar geben. Obwohl ich seit nun mehr 4 Jahren in Freiburg lebe, ist mir diese noch nicht aufgefallen. Die letzten Bissen meines Döners kauend, laufe ich vor der Glasfassade von Wilhelm-Moltke ein. Hier gibt es nichts zu verstecken, keine Wand versperrt den Blick nach draußen, das Wilhelm-Moltke ist komplett von Glas umgeben.

    Beim Eintreten werden meine Augen größer, gemütlich-uriges Ambiente gepaart mit modernen Sitz- und Stehgelegenheiten und einer ansprechenden Espressomaschine. Aber nicht das Ambiente fokussiert mein Auge, auf dem Tresen steht ein super-lecker aussehender Rhabarbertarte und verströmt sein Aroma in den Raum. Die Sinneseindrücke verschmelzen zu einem Kaffee-Rhabarber-Wohlgefühl. Mein Magen übernimmt die Kontrolle und bestellt einen Espresso und ein Stück Kuchen.
    Das nette Mädel von hinter dem Tresen schmeißt die Mühle an und mahlt einen Mehari Espresso in den Siebträger. Wenige Augenblicke später steht der dampfende Kaffee und der duftende Kuchen vor mir.
    Der Espresso lief etwas schnell durch (eher 40 ml in etwa 10 bis 15 Sekunden), die Crema war fest und nussig-braun. Die schnelle Durchlaufzeit merkt man dramatisch am Aroma. Von der schokoladigen Note des Mehari ist keine Spur mehr geblieben, er hat eher den typisch italienischen Geschmack, schade. Die Temperatur ist gut und der Geschmack braucht sich nicht zu verstecken. Trotzdem ein guter Espresso, wenn man mal meine Erfahrungen mit Mehari nicht berücksichtigt. Alles in den Schatten stellt aber der Kuchen. Umwerfend.

    So umgeworfen schleppe ich mich zurück ins Büro. Voll gestopft und glücklich, was braucht man mehr…

    Das Wilhelm-Moltke ist absolut empfehlenswert!

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