Espressobar, Schwarzwaldcity |
30° im Schatten, 80% Luftfeuchte. Ich schließe meine Augen und höre das Plätschern von Wasser, die Unterhaltungen in allen Sprachen dieser Welt, den Verkehr, das Leben auf der Straße. Ich stelle mir vor, ich sitze am Chao Phraya in Bangkok. Den Schweiß auf der Haut, rieche ich die Düfte exotischer Gewürze und entspanne mit einer Flasche Brahma an der Uferpromenade.
Die Realität sieht anders aus: Ich sitze in Freiburg im "Aspekt" und höre mir seit über 30 Minuten das meditative, gebeetsmühlenartige „Mama“-Geschreie eines Kindes an. Ich trinke ein Bier. Hinter mir eine Horde besoffener Touristen, neben mir ein Pärchen von Anderswo. Unter mir mein Hund und in der Nase den Duft der benachbarten Dönerbude. So weit ist Urlaub und Arbeit gar nicht von einander entfernt. Das Glück könnte so nahe liegen, liegt es aber nicht.
Bangkok ist Bangkok und Arbeit ist Arbeit, und in dieser Funktion war ich heute in der Espressobar in der Schwarzwaldcity. Da ich eh noch das ein und andere im örtlichen "Geiz ist Geil" zu erledigen hatte, lag der Sprung auf einen Espresso ziemlich nah. Vorbei am gesunden Salat, hin zum Alfredo. Der genaue Name der Bar hat sich mir leider nicht so ganz erschlossen, daher für mich einfach nur Alfredo.
By the way, „Mama-Schrei“ rennt grade weg und Mama rennt hinterher, der „Mama“-Schrei wird zu „AAAAA“, und ist noch weniger zu ertragen. Ich warte auf den Wilhelm-Schrei, nein, nicht wirklich, aber ein wenig Ruhe wäre auch nicht übel.
Zurück zum Thema, Frau Alfredo überzeugt durch ihren südländischen Charme, kurz und knapp bestelle ich meinen Espresso. Das Kaffeemehl liegt vorgemahlen im Doser. Wie lang, weiß ich nicht. Schlangen haben sich noch keine gebildet. Das Kaffeemehl wird mit lockerer Hand getampert und der Siebträger eingespannt.
By the way, aus „AAAA“ und „Mama“ wurde jetzt „Mama-Papa“ und Mama läuft auf und ab. Starke Nerven muss man als Neufreiburger schon haben.
Zurück zum Thema, Leerbezug scheint in Italien unbekannt zu sein und so stürzt eine Wolke aus Espressodampf und Kaffee in meine Tasse. Prompt steht der kleine Schwarze auf der Theke und ich bediene mich am Zucker. Der Crema war es wohl heute zu heiß und sie entschied sich im Siebträger zu verweilen. Stattdessen hat sie als Vertretung die Kollegin noch mehr Wasser geschickt. Ich schätze mal, es sind 35 bis 50 ml in der Tasse. Der Zucker rauscht nach unten wie eine Wespe in einer Tasse Apfelsaft mit Spüli. Nun gut, es ist heiß, es ist feucht, ich bin müde und will Feierabend, also runter damit.
Der Espresso ist wie erwartet ein wenig dünn und bitter, mit wenig Aroma. Nur es wundert mich nicht. Man bekommt hier nicht den besten Espresso in Freiburg, aber auch nicht den schlechtesten. Frau Alfredo reißt mit ihrem Charme die Bewertung nach oben. Für einen schnellen Schwarzen zwischendurch nicht verkehrt, aber in der näheren Umgebung gibt es Besseres, aber auch sehr viel Schlechteres. Am Kaffee wird man wohl nichts ändern können, am Vormahlen schon, auch am Leerbezug.
Meine Gedanken fokusieren sich wieder auf mein Bier, „Mama-Schrei“ ist weg, Asi-Touri auch, endlich Feierabend!
Mein Fazit, OK für den kleinen Schwarzen beim Hektik-Shopping am Samstag, sonst ausweichen in die nähere Umgebung.
Espressobar, Schwarzwaldcity
Ebels Feinkost, Markthalle
BIOSK, Schwarzwaldstrasse 80a
Caffe Classico, Oberlinden 6
Strass Caffe, Herrenstraße 44
Jaycee, Klarastraße
KunstKaffee, Fischerau 20
Mahlwerkk, Oberlinden 4
Wilhelm-Moltke, Moltkestraße 42